CeBIT 2010: Wandel im E-Learning Markt?


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Wir, Viola Ploski von Know How! und Martina Göhring von centrestage trafen uns zu unserem monatlichen Meeting im Rahmen unseres gemeinsamen Change 2.0-Projektes.

Bei dieser Gelegenheit haben wir uns auch über die CeBIT 2010 unterhalten. Diesen Rückblick haben wir hier dokumentiert.

Viola Ploski:  Sie waren auf der CeBIT. Gab es was Neues in Sachen E-Learning?

Martina Göhring: Ich habe mir an einem Tag nur einen flüchtigen Eindruck verschaffen können, aber mir reicht das für meine eigene Trendanalyse. Ich habe die E-Learning Panels auf dem Forum Learning & Knowledge Solutions verfolgt, eines durfte ich moderieren und hatte einige Gespräche mit Anwendern und Anbietern. Ich persönlich sehe einen Wandel bei den Anwenderunternehmen und ihrem Bedarf, aber nicht so sehr bei den Anbietern im E-Learning Markt.

Viola Ploski: Ist das Thema 2.0 bei den E-Lernern angekommen?

Martina Göhring: Web 2.0 wird bei E-Learning Anbietern als, ich zitiere: „man muss ja nicht jede neue Sau durchs Dorf treiben“ beschrieben. Ich übersetze das mal: die Anbieter halten die Diskussion um Web 2.0 also für übertrieben, einen überschätzten Hype, bald vergessen und für sie nicht maßgeblich relevant. Ich pauschaliere hier jetzt bewusst. Es gibt natürlich –und das ist schön- auch andere Ansichten.

Es gibt inzwischen fast schon lustige Situationen in den Unternehmen. E-Learning Anbieter liefern Lerninhalt z.B. in Form eines WBTs. Den Mitarbeitern des Unternehmens reicht das aber nicht. Sie zerlegen dieses wieder in Teilbereiche, in kleine, aus ihrer Sicht sinnvolle Inhalteeinheiten, richten zu jeder Einheit einen Blog und/oder ein Wiki ein. Sie diskutieren dann im Blog z.B. über eine Technologie- oder eine Verfahrenseinheit unternehmensweit mit allen Experten, die damit befasst sind, mit dem Vertrieb, der verkaufen muss oder mit Personen, die sich dafür interessieren und auch auskennen. Sie schreiben ihre Erfahrungen dazu in ein Wiki und verändern und optimieren, ohne es bewusst zu wissen, den Lerninhalt. In der Web 2.0-Welt ist das eine Form von User-Generated Content. Aber nicht jedes Unternehmen und seine Mitarbeiter sind selbst fit genug, zu einem gelieferten Lerninhalt eigene Web 2.0-Anwendungen zu nutzen.

Viola Ploski: Was erwarten denn die Kunden?

Martina Göhring: Anwenderunternehmen, mit denen ich gesprochen habe, waren nicht ganz zufrieden mit ihren E-Learning Anbietern. Sie bemängeln folgendes: Der Anbieter kommt in das Unternehmen, macht Workshops, geht dann wieder und liefert irgendwann ein E-Learning-Paket ab, lässt aber den Anwender damit alleine. Das ist jetzt natürlich sehr verkürzt, plakativ und gilt ganz sicher nicht für alle Anwesenden oder Leser dieses Posts. : – ) Ich will damit sagen, dass die Erwartungen der Anwenderunternehmen sich gewandelt haben. Aber die Anbieter haben darauf offensichtlich noch nicht ausreichend reagiert.

Viola Ploski: Wir merken auch zunehmend, dass unsere Kunden eine Prozess-Begleitung wünschen. Das war für uns auch was Neues: E-Learning als ein Projekt. Wir als Anbieter können es uns eigentlich nicht mehr leisten, nur Inhalte zu produzieren, oder?

Martina Göhring: Das sehe ich auch so. Sicher muss man nicht jedes E-Learning „Projektle“ mit Change Management begleiten. Aber ein Projekt unterscheidet sich ganz maßgeblich vom aktuell vorherrschenden Vorgehen. Ein Kunde will eine Schulung, Weiterbildung, Lerninhalte und das ganze als E-Learning und bekommt vom Anbieter genau dieses, nämlich eine Schulung, Weiterbildung, Lerninhalte und das ganze als E-Learning. In einem Projekt würde man ganz anders vorgehen. Die Zielbeschreibung wäre schon eine andere. Aber mit dem Ziel vor Augen würde man gemeinsam versuchen, Konzepte, Methoden, Wege zu definieren, wie man dieses Ziel am besten erreichen kann. In immer weniger Fällen kommt dann am Ende heraus: eine Schulung, Weiterbildung, Lerninhalte und das ganze als E-Learning.

Viola Ploski: Und da wären wir dann wieder beim Thema Web 2.0. Wo sind die Herausforderungen?

Martina Göhring: Genau hier: beim Change Management. Bei Web 2.0 oder sprechen wir besser von Enterprise 2.0, wir wollen ja die Unternehmen adressieren, geht es um Veränderungen. Das Lernende Unternehmen, laut Bestsellerautor Peter Senge DIE Organisationsform der 90er Jahre, war, wenn wir ehrlich sind, mit den Technologien damals gar nicht realisierbar. Ich sag jetzt bewusst nicht, dass mit Web 2.0 alles besser wird, aber, wenn es besser werden soll, müssen die Unternehmen den Mut zu Veränderungen aufbringen und sich um die Chancen und Risiken von Enterprise 2.0 kümmern. Und zwar beide Parteien die Anwender und die Anbieter.

Viola Ploski: Was muss denn passieren?

Martina Göhring: In meinem E-Learning 2.0-Panel, in dem Anbieter waren, die Web 2.0 nicht nur längst in ihrem Portfolio haben, sondern selbst (begeisterte) Anwender von Web 2.0 sind, haben sehr kritisch die Grenzen dargestellt, die nicht technologischer Natur sind, sondern durch die Unternehmenskulturen, oft Misstrauenskulturen in den Unternehmen, bestimmt sind, die man überschreiten muss. Das erfordert sehr viel Coaching, Aufklärung, Motivation auf allen Hierarchieebenen. Mein persönlicher Eindruck ist: die Anwender wären bereit für Veränderungen.

Ich sagte oben aber schon, nicht jedes Unternehmen kann sich selbst helfen. Es müssen daher auch Lernanbieter und Dienstleister mitspielen. Auch unsere klassischen Prüfungs- und Zertifizierungsverfahren sind aktuell kaum für Web 2.0 geeignet. Die Prüfungsmethoden und Stoffpläne von Bildungsorganisationen, Kammern und Verbände, die Aus- und Weiterbildungsgänge anbieten, müssten genauso auf den Prüfstand.

Viola Ploski: Es scheint doch einiges in Bewegung gekommen zu sein und es gibt auch noch viel zu tun. Was hat Ihnen auf der CeBIT denn am besten gefallen?

Martina Göhring: Die Stimmung bei der Webciety fand ich sehr dynamisch und erfrischend. Ebenso den Wasserfall der T-Systems MMS . Aber eigentlich fand ich die 3D-Fernseher ohne Brille interessanter oder die Halle mit den Lautsprecherboxen in Hochhaushöhe. Ach so, fachlich? Natürlich mein Panel. Da durfte ich endlich mal alles fragen, was ich schon immer wissen wollte, ohne selbst eine Antwort darauf geben zu müssen. 🙂

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  • Lore Reß

    Der Eindruck, dass sich viele / einige (?) eLearning-Anbieter gegen Web2.0 sträuben hatte ich auch – leider. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Unternehmen, die kommen und ein WBT wollen und sich gegen allzuviel „drumherm, das keiner will“ sträuben. Das bezieht sich einmal auf Unterstützung durch Web 2.0-Tools, aber auch darauf, die Einführung als Projekt anzusehen.
     

  • Herbert Müller Philipps Sohn

    Vielleicht ganz interessant. Konnte heute Joachims Beitrag im zuständigen ISO – Ausschuss vorstellen. Ohne jede Widerrede wurde daraufhin beschlossen eine ’study-period‘ zu dem Thema Web 2.0 in IT-LET (Learning, Education and Training) zu beantragen. Mitarbeit gesichert von Kanada, Kenia, Korea, Japan, Australien und Deutschland. Zeigt, dass das Interesse doch weiter geht, als vermutet.

  • Pingback: CeBIT 2010: Wandel im E-Learning Markt? | weiterbildungsblog()

  • Ich glaube auch das Web 2.0 Werkzeuge e-Learning Lösungen bereichern. Dennoch sieht die Realität einfach anders aus. Ich setzte ebenfalls seit einigen Jahren e-Learning Projekte für größere Kunden um und bereits die Technik vor Ort – da brauchen wir noch nicht von Lernkultur zu sprechen – lässt modernere Lernlösungen der Generation 2.0 gar nicht zu. Also die Rahmenbedingungen in den Organsisationen, ob technisch, organisatorisch oder in Bezug auf die Lernumgebung sind aus meiner Sicht immer noch unzureichend!

    Einfach mal in die Runde – haben Sie ähnliche Erfahrungen?